Tagebuch M-Wurf aus der Grauzone
oder Bergfest

 

Vorbereitung
Liebe Leser unserer Homepage, Freunde unserer Hunde und die, die es werden wollen.
Hier folgen die Erlebnisse unserer M`s.
Eigentlich war für den M-Wurf unsere schwarze Feronitius (Feronia aus der Grauzone) vorgesehen. Da wir aber im L-Wurf feststellen mussten, dass insbesondere schwarzmarkene Hündinnen im Moment nicht wirklich gefragt waren und Feronia definitiv keine Blondanlage hat, beschlossen wir, dass jetzt unsere blonde Edmeé an den Start für ihren ersten Wurf gehen sollte. Feronia hat noch Zeit bis ins Frühjahr.
Edmeé hat ihre ZTP im April beim zweiten Anlauf mit Bravour bestanden und auch die letzte Gesundheitsuntersuchung war ohne Befund. Somit stand dem Zuchtvorhaben nichts mehr im Wege.
Unser Plan war, nachdem wir Arras vom Hesperus als Vater für die M`s genehmigt bekommen haben, wie folgt. Errechnet war, dass unsere schöne blonde Edmeé im September läufig wird. Somit buchten wir für unseren Jahresurlaub ein Ferienhaus in Dattenfeld, wie im vergangenen Jahr. Das hatte den Charme, dass von dort aus die Fahrt zu Arras nur noch knapp 100 km betragen würde. Wie gesagt, so unser Plan.... Edmeé plante jedoch ganz anders. So meinte sie 6 Wochen früher läufig werden zu wollen, um dann mit Frauchen einen ca 630 km weiten Ausflug ganz alleine machen zu dürfen. Rechne nie damit, dass ein Hovawart das tut, was er soll!
So fuhr ich mit Mademoiselle am 07.08.2018 in Richtung Krefeld. An diesem Tag versprachen es bis zu 39 Grad im Schatten zu werden. Wir kamen einigermaßen voran und da ich Ballungszentren wie Braunschweig und Hannover möglichst schnell hinter mich bringen wollte, war die Fahrt zum Autohof nach ca 400 km eingeplant. Nach dem ich die Autobahn verlassen hatte und an einer roten Ampel halten musste, ging plötzlich der Motor unseres T4 aus. Er sprang zwar sofort wieder an, um dann auch gleich wieder aus zu gehen. Jetzt stand ich dort mit Warnblinkanlage und wusste erst mal nicht, wie es weiter geht. Ein nettes Paar wollte mir helfen, das Auto beiseite zu schieben, dann sprang es aber doch wieder an und blieb auch an. So fuhr ich tanken, den Hund auswringen und mir einen Kaffee gönnen.
Ich telefonierte mit Angus, um mich mit ihm zu beratschlagen. Nach eingehender Beratung und einem Motor, der, wenn er lief, absolut unauffällig war, beschlossen wir, dass ich mich weiter zum Zielort vorkämpfte. 130 km später das selbe Spiel mitten auf der Autobahn. Zum Glück konnte ich noch auf einen Parkplatz rollen. Da keine Kontrollleuchten angingen und auch die Motortemperatur konstant blieb, vermutete ich, dass die Arbeitsverweigerung des Busses etwas mit den Außentemperaturen zu tun hätte. Nach 20 Minuten wagte ich mich weiter, denn es waren ja schließlich nur noch 100km. Bei mittlerweile fast 40 Grad im Schatten fuhr der Bus noch 5 km, um dann wieder aus zu gehen. Da die Abstände jetzt sichtbar kürzer wurden und ich auf dem Standstreifen einer, dicht mit LKWs befahrenen Autobahn stand, rief ich jetzt doch die gelben Engel vom ADAC an. Ich gab meine Position durch und begab mich hinter die Leitplanke. Da es überhaupt keinen Schatten gab, legte ich Edmeé so dicht, wie möglich ans Auto, damit wenigsten sie nicht in der Sonne gebraten wurde. Aus der halben Stunde, die man mir sagte, bis der Abschleppwagen da sein sollte, wurden dann anderthalb Stunden, 2 Liter Wasser für den Hund und zwei Flaschen Mineralwasser für mich. Man hatte dem Fahrer eine falsche Position mitgeteilt.... Beim Raufziehen des Busses auf den Abschlepper musste ich den Bus in die richtige Position bringen. Dann in luftiger Höhe aussteigen und die Laderampe seitlich hinunter laufen, während im Abstand von gefühlten 30 cm die LKWs an mir vorbei schossen. Abenteuer, die keiner braucht, zudem ich den Fahrer noch überreden musste, dass Edmeé im Führerhaus mit fahren durfte. Er wollte sie bei den Temperaturen ohne Klimaanlage im Bus lassen.
Wir fuhren zum ADAC Autohof und der Fahrer startete meinen Bus. Er sprang natürlich an und zeigte, wen verwundert es, den Fehler natürlich nicht! Jetzt kamen die ADAC Experten mit der Einstellung, Frau am Steuer hat keine Ahnung. Während ich versuchte den Fehler zu schildern, inklusive des ersten Auftretens, war das Gespräch wie folgt: Fahrer: das liegt an der Gasanlage, Ich: die war aus und der Gastank ist auch leer, Fahrer: was haben sie getankt?, ich: E10, Fahrer: verträgt das Auto überhaupt E10, ich: ja, sonst würde ich es nicht tanken, 2. Experte: der Turbo ist kaputt, ich: das Auto hat keinen Turbo, 2. Experte: das Auto muss einen Turbo haben, ich: es hat keinen, das wüsste ich; 2. Experte öffnet die Motorhaube und sieht.... keinen Turbo, meint dann, das Steuergerät sei kaputt, ich: ich glaube, dass ist ein Wärmeproblem, beide Experten: der Motor überhitzt, ich: die Motortemperatur war durchweg konstant und es gingen auch keine Kontrollleuchten an. Inzwischen lief der Motor eine halbe Stunde und wir einigten uns darauf, dass der Fehler vermutlich mit den Außentemperaturen zusammen hing und beide Experten meinten, dass die Elektrik vieler Fahrzeuge bei diesen Temperaturen Probleme machen würde. Ich sollte langsam weiter fahren und viele Pausen einlegen. Somit fuhr ich die letzten 100 km über die Landstraße, die jetzt zunehmend durch bergiges Gelände führte. Mein Albtraum war es, in einer Kurve bergauf liegen zu bleiben und so nutzte ich jede Gelegenheit, um den Bus abkühlen zu lassen. Für diese letzten Kilometer brauchte ich dann auch „nur“ noch zwei Stunden, um an das Ziel zu gelangen.
Da ich bei der ZTP von Edmeé leider ziemliches Pech mit dem Hotelzimmer hatte, habe ich mir dieses mal den Luxus eines 4 Sterne Hotels geleistet. Es heißt Gut Dyckhof und liegt in Meerbusch–Büderich. Sowohl das Zimmer, als auch das Abendessen entschädigten für Alles.
Edmeé und ich sanken nach 11 Stunden Fahrt, einem köstlichen Abendessen mit gutem Wein und Hundefutter für meine schöne Blondine todmüde ins Bett. Sorge bereitete mir, dass es evtl. am Folgetag, wenn Edmeé zu Arras sollte, wieder so heiß werden könnte. Diese Sorge erwies sich als unbegründet, denn am nächsten Morgen hatte es geregnet und es war deutlich kühler. Arras war über Edmeé schlichtweg aus dem Häuschen und zeigte sich als freundlicher, aber sehr stürmischer Galan. Edmeé hat es im wahrsten Sinne des Wortes umgehauen, lag sie doch glatt auf dem Rücken bei soviel Liebe. Da meine Blondine aber noch nicht sicher stand, brachen wir den Versuch nach kurzer Zeit ab, um uns für den Abend noch mal zu verabreden. Den Tag verbrachte ich damit, die Gegend ein wenig zu erkunden und in Leverkusen ein Auto für Angus zu kaufen. Der TÜV hatte nämlich entschieden, dass wir uns von unserem Mazda trennen mussten.
Abends wurde Arras endlich von Edmeé erhört und so deckte er sie innerhalb von einer halben Stunde gleich zweimal. Nachdem wir verabredet hatten uns am Morgen des folgenden Tages noch mal zu treffen, fuhren Edmeé und ich zurück ins Hotel und ich gönnte mir wieder ein vorzügliches Abendessen, während Edmeé sich mit Hundefutter begnügen musste.
Die Nacht war sehr erholsam und das Frühstück perfekt. Nachdem ich ausgecheckt hatte, ging ich mit Edmeé in dem umliegenden, sehr schönen Gelände noch mal spazieren. Dabei trafen wir auf ein Kaninchen. Normalerweise wäre meine Blondine sofort weg gewesen, diesmal schaute sie nur und ließ sich sogar abrufen, sehr ungewöhnlich (sie muss trächtig sein!).
Arras versuchte nochmals sein Glück, wobei er Edmeé vor lauter Wonne anpullerte. Das Nachdecken hat nicht geklappt und so packte ich meine nach Läufigkeit und Rüdenpipi riechende Hündin ein und wir machten uns auf den Heimweg.
Bei 23 Grad im Schatten stand eigentlich nicht zu befürchten, dass der Bus wieder mal beschließt, die Weiterfahrt ohne Sprit zu versuchen und ich war frohen Mutes. Leider sank mein Optimismus rasch ab, denn ich fuhr von einem Stau in den nächsten.
Wenigstens fuhr der Bus bis Ziesar ohne Probleme, da es deutlich kühler war, leider aber nicht in Brandenburg. Eigentlich hatte ich vor am nächsten Rastplatz, welcher nur noch 6 km entfernt war nochmals zu halten und den Bus etwas abkühlen zu lassen. Ich überholte ein Fahrzeug unserer aller Freund und Helfer, fuhr gerade an einem Autobahnparkplatz vorbei und, ihr werdet es ahnen, der Bus ging aus. Ich ließ ihn auf dem Standstreifen ausrollen und stand. Natürlich hielt kurz darauf eben beschriebenes Fahrzeug mit den Freunden und Helfern. Erst wollten sie mir ein Bußgeld verpassen, weil ich nicht, wie sie ja beobachtet hatten, auf den Parkplatz gefahren bin. Nach dem ich ihnen glaubhaft versichern konnte, dass ich daran schon vorbei war, als das Problem auftrat, meinten sie, ich müsse den ADAC rufen, um mich abschleppen zu lassen. Das ich das bereits getan habe und die Werkstattleute meinten, ich solle langsam weiter fahren und den Wagen zwischendurch abkühlen lassen, stellte den Herrn Polizist dann zufrieden. Wir einigten uns darauf, dass ich eine Weile auf dem Standstreifen stehen bleibe, natürlich mit den üblichen Sicherheitsmaßnahmen, und dann die Autobahn wieder verlassen würde. So stand ich mal wieder bei 37 Grad im Schatten ohne Schatten auf dem Standstreifen und wartete, dass der Bus seinen Sitzstreik beenden würde. Wie so oft dachte ich mal wieder, dass Briefmarken sammeln eine echte Alternative zum Züchten sein könnte.
Für die letzten 100 km brauchte ich dann wieder zwei Stunden, mit Zwischenstopp an einer Tankstelle mit Selbstwaschanlage. Ich ließ etliche Liter Wasser über die Motorhaube laufen und kam so tatsächlich nach elf Stunden Fahrt ohne weiteren Zwischenstopp zu Hause an.
Nun hieß es wie immer, warten, bis man endlich Ultraschall machen konnte.
Edmeé zeigte sich fröhlich, verfressen und leider war das mit dem Kaninchen ein einmaliger Ausrutscher. Jede Gelegenheit wurde genutzt, um mit ihrer Halbschwester Ifigenie Hasen zu jagen. Diese Tiere sind aber auch manchmal seltsam. Entweder sie kommen einem auf dem Weg direkt entgegen gelaufen oder sie bleiben irgendwo so lange reglos liegen, um dann im Abstand von höchstens 2 m plötzlich auf zu springen, um das Weite zu suchen. Ein gefundenes Fressen (nicht wörtlich) für sportliche Hovawarte!
Am 21d nach dem Decken machte ich einen Ultraschall und sah mehrere, winzig kleine Fruchtkammern. Jippie unser M-Wurf war in Arbeit!
Edmeé hatte, bis auf ein einziges Mal morgendlicher Übelkeit, überhaupt keine Probleme mit der Trächtigkeit. Am 13.09. fuhren wir mit allen unseren Hovis nach Dattenfeld in unseren wohlverdienten Jahresurlaub. Bei größtenteils wunderbarem Wetter genossen die Hunde und wir unsere Ausflüge. Es gab viel zu entdecken für die Hundis, wir hatten Zeit Fährten zu gehen und wenn unsere Vierbeiner abends im Auto geduldig auf uns warteten, genossen wir gutes Essen. Am Anfang des Urlaubes haben wir noch mit Kallisti die ZTP bzw. mit Elsa die JB in Gummersbach bestanden, was uns natürlich sehr gefreut hat.
11 Tage vor dem errechneten Wurftermin mussten wir leider das schöne bergische Land verlassen und nach Hause fahren.
Edmeé wollte trotz des nun deutlich sichtbaren Bauch immer noch toben und das Jagen hat sie bis zum Schluss nicht eingestellt, allerdings deutlich langsamer und auch nicht mehr so weit.
Wie geplant, fraß Edmeé ab dem Mittag des 10.10.2018 nichts mehr und fing an zu hecheln. Die Körpertemperatur war deutlich abgesunken. Sollte sie auf den Tag genau am Welthundetag werfen? Mitnichten! Nachdem sie die komplette Nacht durch gehechelt hatte, sehr zur Freude der Züchterin, verlor sie zwar Flüssigkeit aus der Scheide und buddelte auch die Wurfkiste um, nur um sich dann tagsüber entspannt schlafen zu legen. Angus und ich wachten abwechselnd an der Wurfkiste. Nachdem die Körpertemperatur am Morgen wieder etwas angestiegen war, war sie jetzt am Nachmittag wieder auf 36,5 Grad abgesunken. Fressen wollte Edmeé aber definitiv nichts. Ich begab mich in die Nachmittagssprechstunde und Angus blieb bei der entspannt schlafenden Hündin.
Abends gingen wir dann noch eine Kleinigkeit essen und kehrten dann zu unserer Dicken zurück.
Da Angus sehr müde war, weil er immer so früh aufstehen muss, schickte ich ihn ins Bett, da ich nicht glaubte, dass sie jetzt werfen würde.

11.10.2018, die Geburt:
Gegen 20:30 Uhr bekam Edmeé jetzt sichtbare Wehen. Zunächst in größeren Abständen. Eine halbe Stunde später wurden die Abstände kürzer. Zwischendurch legte die Mausi Pausen zum Schlafen ein. Trotz der Wehen passierte nicht wirklich etwas. Gegen 21:30 Uhr machte ich daher eine Röntgenaufnahme, um zu schauen, ob alles OK ist. Der erste Welpe wollte in Steißlage und auf dem Rücken liegend zur Welt kommen. Dass machte die Sache für Edmeé sehr anstrengend und schwierig. Ich rief Angus und weil der Welpe schon in den knöchernen Geburtsweg eingetreten war, versuchte ich ihn manuell zu holen. Zunächst bekam ich nur die Rute zu fassen, da dass Kerlchen zusätzlich noch die Beine angezogen hatte. Während Angus Edmeé fest hielt und beruhigte, konnte ich mit den nächsten Wehen die Beinchen so verlagern, dass ich sie mit der nächsten Wehe zu fassen bekam. So kam um 22 Uhr der erste blonde Junge mit 570 g auf dem Behandlungstisch der Tierarztpraxis zur Welt. Edmeé wusste sofort, was sie zu tun hatte, Putzen, Abnabeln und die Nachgeburt vertilgen. Währen Angus die Praxis putzte, nahm ich den jungen Mann und wollte mich mit Edmeé ins Wurfzimmer begeben. Sie folgte mir jedoch nicht sofort, sondern verschwand um die Ecke. Nach energischem Rufen kam sie dann und ich legte sie mit ihrem Sohn in die Wurfkiste.
Plötzlich vernahm ich ein Fiepen und Angus meinte, dass der blonde Zwerg ja einen ganz schönen Alarm machte. Ich hingegen rief ihm zu, dass ich direkt an der Wurfkiste stehe und der Zwerg keinen Ton von sich gab. Also begab ich mich auf die Suche nach der Ursache dieses Geräusches. Aus dem ersten Stock kam es nicht, war aber im Hausflur überaus laut und schallend zu hören. Auf der Fußmatte zum Gartenausgang machte ein winzig kleiner dunkler Hund seinem Missfallen, ob so einer ungebührlichen Behandlung, lautstark Luft. Es war jetzt 22:05 Uhr und bei dem Kerlchen handelt es sich um den einzigen schwarzmarkenen Rüden. Er hat einen weißen Bruststrich und wog bei der Geburt 500 g. Schon 15 Minuten später wurde ein weiterer blonder Junge mit ebenfalls 500 g geboren. Nur 21 Minuten später erblickte die einzige blonde Hündin des Wurfes das Licht der Welt (zumindest theoretisch). Die Maus wog 410 g. Um 23:07 wurde eine schwarzmarkene Hündin mit 530 g geboren. Wir waren sehr erleichtert, denn ein schwarzmarkenes Mädchen wird sehnlichst erwartet. Edmeè legte eine längere Pause ein, putzte ihre Zwerge, trank etwas und schlief zwischendurch. Ich schickte Angus ins Bett und legte mich selbst etwas hin. Dass das noch nicht Alles gewesen sein konnte, sagten schon die 10 kg, die Edmeé während der Trächtigkeit zugenommen hatte.
Um 02:45 Uhr kam wieder eine schwarzmarkene Hündin, diesmal mit einem weißen Bruststrich zur Welt. Sie wog 510 g und direkt 8 Minuten später erschien unser Nesthäkchen, eine schwarzmarkene Hündin, mit federleichten, aber sehr munteren 340 g. Das Schlusslicht war diesmal ein blonder Rüde mit 600 g. Er kam um 03:09 Uhr zur Welt. Soviel zu Angus Theorie, die sich noch nie verifiziert hat, dass die zuletzt geborenen Welpen immer die leichtesten sind.... Ich weckte Angus und während er Edmeé noch mal in den Garten ließ, säuberte ich die Wurfkiste, stellte die erste Maschine Wäsche an und dann gingen wir endlich, ich bis 06:30 Uhr schlafen.

12.10.-16.10.:
Eigentlich läuft alles soweit gut, nur Edmeé ist bei Außentemperaturen bis 26 Grad viel zu warm. Dementsprechend ist sie sehr unruhig und hechelt sehr viel. Da sie das insbesondere nachts tut, weil da die Heizung anspringt, bekomme ich so gut wie keinen Schlaf. Zum Glück muss ich Freitags am Nachmittag nicht mehr arbeiten und auch Samstag sind es nur drei Stunden am Vormittag. Angus muss, wie so oft, am Wochenende arbeiten und ich versuche immer mal einen Moment auszuruhen.
Sonntag morgen war ich etwas verwundert, dass Angus die Kästen mit den leeren Mineralwasserflaschen mitgenommen hatte. Die Aufklärung kam am Nachmittag, als er nach Hause kam. Jegliches Zeitgefühl verloren habend, wollte Angus diese nach der Arbeit beim Getränkemarkt abgeben und Frische kaufen. Er war zunächst verwundert, warum die Straßen so leer waren und irgendwie auch die Einkaufsstraßen nicht richtig belebt erschienen. Bis ihm dann auffiel, es ist Sonntag. So etwas nennt man auch Welpendemenz, da ist die Zeitrechnung einfach eine andere!
Sonntag Abend fiel auf, dass der letztgeborene Junge irgendwie einen schlappen Eindruck machte. Bei ihm hatte ich am Tag nach der Geburt eine kleine klaffende Wunde an einem Hinterlauf entdeckt. Da diese aber nicht mehr frisch war, konnte ich sie weder klammern, noch nähen, ohne den kleinen Mann zu narkotisieren. Da die Wunde nicht infiziert aussah, beschloss ich sie so zu belassen. Nun entdeckten wir auch noch eine dicke Zehe mit offener Wunde an einem Vorderlauf. Das Hinterbein war jetzt auch dick. Keiner weiß, wie diese Verletzungen entstanden sind. Weil man in diesem Alter der Welpen wirklich nichts zu verlieren hat, bekam er von mir ein Antibiotikum und Entzündungshemmer injiziert. Am morgen hatte er zumindest sein Gewicht gehalten und machte auch einen munteren Eindruck. Er hat dann auch morgens und abends 2 x 40 ml Welpenmilch aus der Flasche getrunken. Heute Mittag hat er sich beim Wiegen ordentlich gewehrt und auch gut zugenommen. Die verletzten Beinchen sind nur noch minimal geschwollen und er bewegt sie normal mit. Welch eine Erleichterung!
Die nächsten Tage werden jetzt vornehmlich bei allen M`s dem Wachsen und Schlafen gewidmet sein.

17.10.:
Heute war unser Zuchtwart zur ersten Wurfbesichtigung da. Insgesamt machte er einen recht zufriedenen Eindruck, nur bezeichnete er unsere blonde Quadriga als „Fehlfarbe“, da er in seinen eigenen Würfen immer nur schwarzmarkene Welpen hat. Für diese „Frechheit“ rächte sich Mathilda sofort. Sie hat auf ihn gesch...... Zum Glück handelt es sich um reine Babykacke. Nun stehen auch die Namen unserer 8 Pelzperlen fest. Nachdem Angus mir nach stundenlanger Recherche meinerseits mit kurzen Worten vernichtend sagte, dass ich nicht einen einzigen schönen Namen raus gesucht habe, habe ich ihm diesmal die Auswahl und Vergabe der Namen komplett überlassen. Hier nun das Ergebnis.


Die Persönlichkeiten unseres M-Wurfes

Marius   Rüde, bl   lateinisch ist dem Kriegsgott Mars zugehörig
Marvin   Rüde, bl   althochdeutsch bedeutet berühmter Freund
Menowin   Rüde, bl   althochdeutsch bedeutet vermögender Freund oder mächtiger Sieger
Milan   Rüde, sm   altslavisch, lateinisch der Liebe, der Angenehme oder auch lateinisch von Emil = der Eifrige
Marcella   Hündin, sm   lateinisch unserer zweites Marsmännchen, dem Kriegsgott Mars geweiht
Marigard   Hündin, sm   althochdeutsch bedeutet berühmte Schützerin
Mathilda   Hündin, bl   althochdeutsch bedeutet mächtige Kämpferin
Minerva   Hündin, sm   griechisch / lateinisch ist die Kluge, Schutzgöttin der Handwerker, Lehrer, Künstler und Ärzte

19.10.-22.10.:
Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, dass eine Namensänderung bzw. ein Tausch stattgefunden hat. Das erfolgte auf besonderen Wunsch von Frauchen und Herrchen von Arras. Sie haben sich Milan für unseren dunkeln Jungen gewünscht. Da Angus auch seinen Marius behalten wollte, wurde der Name Markwart, obwohl perfekt zum Hovawart passend, gestrichen. Das jedoch nur, weil sich Markwart auch etwas schwierig rufen lässt.
Ansonsten passiert außer Fressen, Schlafen und Wachsen nicht viel. Scheinbar ist das Edmeé etwas zu langweilig. Somit hat sie sich eine Beschäftigungstherapie für Frauchen ausgedacht. Nachts tritt sie an mein Bett und flötet mir ins Ohr. Natürlich lasse ich sie sofort raus in den Garten, denn bei den Mengen, die sie verputzt und austrinkt, muss sie bestimmt ganz dringend. In der ersten Nacht ist das auch der Fall. Ich bin sichtlich froh, denn im Gegensatz zu ihrer Halbschwester Ifigenie meldet sie sich wenigstens und lässt mich nicht in erkaltete Puschseen treten. Soweit so gut. Edmeé ist begeistert, dass Frauchen so gut funktioniert. Daher beschließt sie in der darauf folgenden Nacht, dieses tolle Spiel alle halbe Stunde zu wiederholen, nur um sich dann im Garten mit jedem Grashalm zu unterhalten, während Züchterin ziemlich leicht bekleidet bei schattigen, einstelligen Temperaturen an der Tür steht und wartet, bis Madame fertig ist. Als sie eine halbe Stunde später wieder an meinem Bett steht, raunze ich sie an, dass sie sich gefälligst hinlegen soll. Darauf hin schlief sie sanft und selig bis morgens zum Wecken durch. Briefmarken sammeln wäre eine echte Alternative...

23.10.-27.10.:
Langsam wird es turbulent in der Wurfkiste. Seit ein paar Tagen haben die Zwerge die Augen geöffnet und scheinen auch hören zu können. Sie entdecken, dass sie nicht alleine auf der Welt sind, sondern Geschwister zum Ankuscheln, Annagen und Untersuchen da sind.
Da sie jetzt Harn und Kot selbstständig absetzen können, leisten Waschmaschine und Trockner Schwerstarbeit. Leider ist Edmeé etwas etepetete, wie der Berliner so schön sagt. Sie steht überhaupt nicht auf Babykacke und ist ziemlich angewidert. Daher putzt sie meist auch nur den vorderen, weniger übel riechenden Teil der Welpen.
Daher riechen die Wollmäuse ziemlich penetrant, zumal sie es auch noch nicht so gut drauf haben, nicht durch die eigenen Hinterlassenschaften zu laufen oder, der Schwerkraft geschuldet, mit dem dicken Hinterteil hinein zu plumpsen. Erschwerend kommt hinzu, dass sie seit heute noch aus dem sogenannten Welpenring zugefüttert werden. Dieser soll ja eigentlich so konzipiert sein, dass Welpe nicht quer durch das Essen schlittert. Soweit die Theorie. Die Praxis zeigt ein anderes Ergebnis, welches heute Mittag dazu führen wird, dass die Zwerge ab in die Badewanne äh, in Anbetracht deren Größe vielleicht doch besser ins Waschbecken müssen. Jippie, Züchterin freut sich schon ganz doll auf die Wasserschlacht…

28.10.-30.10.:
Die Zwerge sind mittlerweile ziemlich flott im Zimmer unterwegs und erledigen zumindest das große Geschäft möglichst außerhalb der Wurfkiste.
Da sie jetzt regelmäßig zugefüttert werden, wachsen sie auch recht rasant. Bei einigen ist die erste Halsbandgarnitur schon zu klein. Wenn sie so weiter machen, machen sie Papa Arras alle Ehre.
Damit die / der geneigte Leser/in die acht Pelztiere besser auseinander halten kann, nenne ich Euch / Ihnen jetzt mal die Farbe, die jeder einzelne, kleine Hovawart trägt. Menowin, unser Erstgeborener und zur Zeit auch schwerster Junge, kleidet sich selbstbewusst in pink. Milan, unser einziger schwarzmarkene Rüde, findet, dass er rot ausgesprochen gut tragen kann. Marius, der dunkelste der drei Blonden, trägt es mit orange etwas heller. Mathilda, unsere blonde Lady, ist voll emanzipiert und trägt daher lila. Minerva findet hellblau ziemlich schick, während Marcella lindgrün bevorzugt. Marigard, unser Nesthäkchen, schmückt sich mit einem eleganten silbergrau. Marvin ist eher konservativ und trägt, wie es sich für einen echten Jungen „gehört“, ein kräftiges dunkelblau.
Da die Zwerge allerdings zum Teil schon ein ziemlich dichtes Pelzchen haben, ist es manchmal schwierig die Halsbänder überhaupt auf den Fotos zu erkennen. Dieser Umstand des längeren Haarkleides führt beim erwachsenen Hovawart dann auch häufig dazu, dass man als Frauchen sehnsüchtig auf die vielen, äußerst schönen Halsbänder, z.B. bei den Verkaufsständen auf Ausstellungen, schaut und sie dann doch nicht kauft, weil man die in dem schönen langen Fell gar nicht mehr sieht. Man tröstet sich damit, dass ein so schöner Hund, wie der Hovawart, solch ein künstliches Zierrat überhaupt nicht nötig hat.
Soweit läuft alles prima, nur dass mir Edmeé am Sonntag einen gehörigen Schreck einjagte. Ich bot ihr Nachmittags etwas zu Fressen an und sie wollte es nicht haben. Nun gut, dann war sie vermutlich satt. Auch die Welpenmilch wurde verschmäht. Eigentlich hatte ich dann vor, mit den anderen Ladys noch einen größeren Spaziergang zu machen. Vorher ließ ich Edmeé noch mal in den Garten. Dabei viel mir ihr schwankender Gang sofort ins Auge. Also hieß es Fieber messen. Die Temperatur lag bei 40,9 Grad, das bedeutet Lebensgefahr!!!
Sofort war klar, dass Edmeé eine Eklampsie, auch Milchfieber genannt, hatte. Diese kommt durch Kalziummangel zustande, wenn sich die Hündin in der Hauptsäugephase befindet oder sehr viel Milch hat. Jedenfalls duldete die Behandlung keinen Aufschub. Zum Glück hat Edmeé ein Gottvertrauen zu mir. Ich hob sie auf den Behandlungstisch und legte ihr einen Venenkatheter. Sie bekam kalziumhaltige Infusionen und, wie beim Kind, Wadenwickel. Die Kontrolle der Temperatur, die um 16:00 Uhr noch 40,9 Grad betrug, zeigte eine viertel Stunde später 40,6 und um 18:00 Uhr hatten wir es geschafft. Die Temperatur war auf 39,2 Grad runter und sie trank die Welpenmilch. Danach puschte sie einen Riesensee in den Garten und fraß ihre Mittagsmahlzeit komplett auf. Den Katheter ließ ich noch bis zum Folgetag liegen.
Ein Glück, das Edmeés Tierarzt ganz nah wohnt und auch immer erreichbar ist.

31.10.-04.11.:
Die Zwerge entwickeln sich prächtig und das Laufen klappt auch immer besser. Seit einigen Tagen sind sie tagsüber mit Mama draußen im Garten. Das wird mit unterschiedlicher Begeisterung aufgenommen. Ihnen ist es größtenteils zu kalt, obwohl in meinem Schlafzimmer schon seit Tagen keine Heizung mehr an und das Fenster tagsüber geöffnet ist. Somit entspricht die Temperatur fast derjenigen von draußen. Der einzige Unterschied ist, dass es in meinem Schlafzimmer keinen Wind gibt.
Auch Mama Edmeé würde viel lieber drinnen sein. Dennoch ist es notwendig, die lieben Kleinen abzuhärten, sollen sie doch in wenigen Tagen ganz ins Welpenhaus umsiedeln. Das ist unumgänglich, denn die Hinterlassenschaften der Pelzgesichter grenzen geruchstechnisch und von den Mengen her langsam an Körperverletzung der Züchterin. Morgens brauche ich eine komplette Stunde, um Edmeé raus zu lassen und zu füttern. In der Zwischenzeit produzieren die Zwerge mindestens doppelt so viele Häufchen und Seen, wie sie eigentlich selbst zählen. Es ist immer wieder sehr erstaunlich, welche Mengen „Abfallprodukte“ aus solch kleinen Hunden kommen. Wenn alle „leer“ sind, muss das Ganze natürlich wieder mit Futter aufgefüllt werden. Hierbei lassen die Tischmanieren immer noch zu wünschen übrig....
Sind acht kleine Hovis dann satt, wird meistens noch kurz gespielt, um dann in einen nahezu komatösen Verdauungsschlaf zu fallen. Dann heißt es, vollgeschmadderte Laken in die Waschmaschine zu stopfen und den Fußboden von klebrigen, für Außenstehende, undefinierbaren Hinterlassenschaften zu säubern. Nun müssen „nur“ diverse Näpfe und andere Utensilien abgewaschen werden.
Ist das alles endlich erledigt, warten oben noch 6 Hovidamen, dass sie jetzt spazieren gehen dürfen und hinterher ihr Frühstück, verbunden immer mit einer Unterordnungseinheit, z.B. ein Beutespiel, Apportieren des Bringholzes, voraus senden, etc., serviert bekommen.
Nun darf endlich auch Züchterin einen Tee trinken und sich mal für eine viertel Stunde hinsetzen.
Gestern hatten die Zwerge zum ersten Mal Besuch und zwar sowohl von netten Menschen als auch von dem Rest unseres Rudels. Edmeé sah es erstaunlich gelassen und freundlich. Unsere Hovidamen verhielten sich ziemlich unterschiedlich, wobei sich besonders Enigma und Elsa hervor taten. Enigma fing sofort an, die Welpen zu bewachen und meinte, es sind alles ihre. Daher musste sie, damit Edmeé keinen Stress hat, bald wieder ins Haus. Elsa musste in anderer Hinsicht gebremst werden, da sie meinte, au prima, alles meine neuen Spielkameraden. Nur ist der Größenunterschied so eklatant, dass zu befürchten steht, dass Elsa versehentlich einen der Zwerge „kaputt“ macht. Es hat was von der Vorstellung eines Elefanten im Porzellanladen....
Edmeé hat man deutlich angesehen, dass sie froh ist, aus der Isolation entlassen zu sein, denn sie ist nun mal ein Rudelhund und auch wenn sie auf ihre Welpen aufpasst, liebt sie ihr Rudel doch sehr. Heute hat sie Geburtstag und ich kenne sie auf die Geburtsstunde genau 4 Jahre. Die ungestüme, kleine Maus hat sich zu einer stattlichen und souveränen Hundedame gemausert und wir sind stolz auf sie.
Letzte Woche sind unsere E´s 11 Jahre alt geworden und erfreuen sich alle noch sehr guter Gesundheit.

05.11.-06.11.:
Bei anhaltend schönen Frühlings-November-Wetter haben die Zwerge jetzt den Tag über im Garten verbracht. Der Aktionsradius ist auf Grund des Alters noch sehr überschaubar und sie schlafen viel. Nun ist überschaubar natürlich relativ und dieser Umstand trieb mir doch gestern Mittag den Schweiß auf die Stirn und ließ mir das Herz in die Hose rutschen.
Damit die kleinen Puschmützen ihre großen und kleinen Geschäfte möglichst außerhalb des Welpenhauses auf dem Rasen (naja, ein Züchter hat eher eine undefinierbare grüne Fläche mit etlichen Löchern dazwischen) erledigen, bemühe ich mich, leise zur gemütlichen Hundehütte zu schleichen, um die noch verschlafenen Pelzgesichter zu zweit oder dritt (noch geht das) zu schnappen und ins Freie zu tragen. So auch gestern Mittag. Nachdem sich alle gelöst hatten, servierte ich ihnen ihr Mittagessen und flötete dabei „Hundebabys“ durch den Garten. Natürlich hören sie noch nicht so recht darauf, also sammelte ich alle ein und setzte sie an den Welpenring. Wirklich alle? Es waren nur drei Schwarzmarkene! Nun suche mal einen kleinen, ungefähr zwergkaninchengroßen, dunklen Welpen, der nicht auf Rufen reagiert und auch keinen Laut von sich gibt. Mama Edmeé ließen meine Schweißausbrüche und gefühlten Herzattacken ziemlich kalt. Sie wartete nur darauf, dass ihr ihre Kinder etwas vom Essen übrig lassen würden. Nachdem ich zunächst ziemlich hektisch im Garten unterwegs war, natürlich ohne Erfolg, suchte ich zum wiederholten Male das Welpenhaus ab und hörte nach längerer Zeit ein leises, wohliges Fiepen. Nun habe ich zum Glück noch ziemlich gute Ohren (das ist wahr! Anm. der Redaktion) und ortete das Geräusch zwischen Regal und Tiefkühltruhe. Dort saß Minerva und hätte beinahe die komplette Mahlzeit verpasst. Tapfer kämpfte sie sich durch die übriggebliebenen dickeren Reste der Mahlzeit, welche sonst, da die Kleinen ziemlich gut genährt sind, für Mama übrig blieben.
Danach wurde noch ein wenig gespielt, um dann wieder in süßen Träumen zu versinken.
Da gestern der erste Tag war, an dem die Welpen von morgens bis abends draußen waren und ich keinen Überblick hatte, wie oft Edmeé sie zwischendurch noch gesäugt hat, waren wir natürlich gespannt auf die Gewichte. Edmeé hatte gut für ihre Babies gesorgt und alle haben gut zugenommen.
Die Nacht wollten die Zwerge irgendwie keine Ruhe finden und damit die Züchterin auch nicht. Des Rätsels Lösung war, es ist den lieben Kleinen viel zu warm. Also alle Fenster auf und dick einmummeln, damit es den Zwergen auch ja gut geht!
Heute werden sie wohl zum ersten Mal draußen schlafen und Züchterin hat fortan immer mindestens ein Ohr im Garten.

07.11.-12.11.:
Die Kleinen sind ausgewildert. Das ging in Anbetracht der sehr milden Temperaturen, zumindest mit den Zwergen relativ gut. Nur Edmeé fand die Sache anfangs überhaupt nicht witzig. Das tat sie so alle halbe Stunde, wenn auch nur kurz, ziemlich lautstark kund. So dachte ich, dass kann ja heiter werden und stellte mich geistig und moralisch auf weiterhin sehr kurze Nächte mit sehr wenig Schlaf ein. Am nächsten Morgen war Edmeé so beleidigt mit mir, das sie noch nicht einmal ihr Frühstück haben wollte. Die Zwerge hingegen verputzten ihr Frühstück mit Wonne.
Das Welpenhaus sah, bis auf ein paar Seen, auch sehr manierlich aus. Die kleinen Hovis erledigen ihr Geschäft zum größten Teil draußen, so wie sich das gehört.
In der zweiten Nacht hatte sich Edmeé schon besser mit ihrem Schicksal abgefunden. Sie bellte nur einmal in der Nacht und Angus, sagte, wenn er die anderen Hunde morgens raus lassen würde, käme sie noch nicht einmal mehr gucken.
Donnerstag war der Zuchtwart zum zweiten Mal da und war zufrieden mit der Entwicklung der Achter-Bande. Er „beschwerte“ sich darüber, dass er dafür nun über 100km angereist sei..
Ich schlug ihm vor, er könne ja mal einen Antrag stellen, dass die Zwischenabnahme bei erfahrenen Züchtern evtl. per Videokonferenz abgehalten werden könnte. Natürlich ist das ein Scherz. Da wir der Landesgruppe Süd angehören, wohnt er nun mal am nächsten dran.
Am Wochenende hatten die Pelzgesichter, trotz Regenwetters, viel Besuch. Sowohl die Großen als auch die Kleinen genossen die vielen Streicheleinheiten und Edmeé zeigte sich super gelassen und souverän. Sie liegt bei Ihren Welpen und kuschelt mit ihnen. Da sie auch nachts bei ihnen schläft, sind die Zwerge auch nicht darauf erpicht, ständig an ihr Gesäuge zu gelangen. Wenn sie säugen will, tut sie das inmitten des Besuches und erinnert uns damit sehr an zwei blonde Hündinnen im Zwinger „vom Quellenhof“, die sich auch durch nichts aus der Ruhe bringen ließen. Wir haben die Züchterin damals am Bodensee besucht und saßen bei ihr auf dem Sofa. Dheelis und Fiain Fee meinten, sie legen sich in unserem Rücken einfach mal dazu und teilten „ihr“ Sofa gerne mit uns Gästen. Fiain Fee war die Mutter und Dheelis die Großmutter von unserer Kerrin, die fast 15 Jahre unser Leben begleitet hat.
Edmeé ist wirklich eine tolle Mama und wenn die Welpen auch nur einen Teil des Wesens davon mit bekommen, können sich deren neue „Hundeeltern“ wirklich glücklich schätzen.
Leider ist die Nachfrage nach den blonden Jungs fast gleich null. Dennoch machen wir uns keine großen Sorgen, denn bis jetzt haben alle unsere Welpen immer ein schönes Zuhause gefunden.

13.11.-18.11.:
Der Aktionsradius der Fellmonster wird immer größer. So bleibt es nicht aus, dass sie plötzlich Spielgeräte und natürlich Spielzeug wahrnehmen und auf Welpenzahntauglichkeit prüfen, welche sie einige Tage zuvor noch nicht interessiert haben. Auch untereinander wird gerne ausgetestet, welches Geschwister wie auf einen kräftigen Kniff in den Po oder andere empfindliche Körperteile reagiert. Züchter, Besuch und die anderen Hunde bleiben davon auch nicht verschont...
Hier zeichnen sich auch langsam unterschiedliche Charaktere ab. Minerva und Marcella sind beide sehr aufgeweckte, kleine Hovi-Damen, die für jedes Spiel und die eine oder andere „Rauferei“ zu haben sind. Marigard ist ebenso fröhlich, aber etwas friedliebender. Sie fängt bis jetzt nie irgendwelche „Streitereien“ mit ihren Geschwistern an, lässt sich aber auch nicht die Butter vom Brot nehmen und weiß sich entschieden zu wehren. Mathilda ist sehr selbstbewusst und teilweise recht eigenständig. Sie hat einen ausgeprägten Beutetrieb und erkundet alles Neue sehr intensiv. Marvin ist unser gemütlicher Bär in der Runde, was nicht heißt, dass er träge ist. Auch er spielt gern und ausdauernd. Er geht Konflikten mit seinen Geschwistern gern aus dem Weg, ist aber häufig das „Opfer“ von Marius oder Menowin. Dabei dauert es recht lange, bis er sich mal wehrt.
Menowin ist zur Zeit unser kleiner Rocker, der gern mal seine Muskeln spielen lässt. Er weiß ja schließlich noch nicht, dass er irgendwann seinen Meister finden wird.
Marius und Milan sind zwei sehr selbstbewusste Hundejungs, die auch manchmal wenig Respekt vor den Großen haben. Da wird schon mal die Rute von Tante Enigma oder Elsa in die Schnute genommen und kräftig dran gezogen. Elsa erweist sich dabei etwas hilflos, während Enigma, ob dieser infamen Frechheit, ein tiefes Grollen mit aufblitzenden Fangzähnen als Reaktion zeigt. Dann sieht man ein blondes oder schwarzmarkenes, völlig unschuldiges, Hundebabygesicht, welches zu sagen scheint: „ich, ich war es nicht, das würde ich nieeeee tun, ganz großes Indianerehrenwort,.... mit gekreuzten Krallen hinter dem Rücken...“. Beide Jungs und auch Mathilda können sich auch, wenn sie von Kallisti oder Elsa zu sehr bedrängt werden, durch mehr oder weniger imposantes Knurren Respekt und Freiraum verschaffen.
So sehr sie sich manchmal gegenseitig ärgern, dennoch, wenn man müde ist, kuscheln sich alle dicht zusammen und können sehr lieb, verschmust und unschuldig sein.
Ihren ersten Ausflug mit dem Auto haben sie erstaunlich ruhig überstanden und der kurze Spaziergang über die Wiese war wohl auch recht aufregend. Zunächst wollten sie mich jedoch nicht recht vorwärts kommen lassen und fesselten mich, indem sie sich ganz dicht um meine Füße scharten. Nachdem ich Edmeé davon überzeugen konnte, nicht im Wald zu verschwinden, um, was auch immer, zu jagen, fokussierten die Zwerge sich in Richtung Mama und ich konnte wieder laufen. Auf dem Rückweg zum Auto folgten alle, bis auf Marcella, brav meinen Rufen und der Mama. Also erst mal die Babys ins Auto verklappt und dann versuchen, Mama Edmeé davon zu überzeugen, ihr „verloren gegangenes“ Baby zu holen. Sie sagte sich bzw. eher mir, dein Weg ist doch genauso weit, mach es doch selbst.
Nachdem Marcella uns dann beide geortet hatte, folgte auch sie brav zum Auto zurück.
Am Wochenende kam so viel Besuch, dass es schon so etwas wie Partycharakter hatte.
Es gab Glühpunsch, natürlich alkoholfrei, Spekulatius und Lebkuchen.
Papa Arras war da, machte sich aber nicht allzu viel aus seinen Kindern. Er weiß ja noch nicht, dass Milan demnächst bei ihm einziehen wird. Edmeés Züchterin Janina war auch da und hat sich in Marcella verliebt. Beide Frauchen von Minerva und Marigard kamen ebenfalls, um sich Papa Arras live anzuschauen. Dann noch etliche, liebe Hovi-Freunde und „Grauzonesüchtige“ und beide Nachmittage waren perfekte Prägung für die Zwerge.
Jetzt, in der Woche wird es wieder etwas ruhiger sein, dennoch stehen weiterhin Ausflüge, demnächst Leinenführigkeit, Haushaltsprägung etc. auf dem Plan. Ich werde Euch demnächst davon berichten.
Unsere blonden Pelzperlen suchen noch ein schönes Zuhause. Dieses sollte mindestens folgende Voraussetzungen haben, bzw. deren zweibeinige Bewohner sollten zu folgenden Dingen bereit sein: Wir geben keine Hunde in Zwinger- oder Nurdraußen-Haltung ab. Unsere Hunde sind Familienhunde und –mitglieder. Der Besuch einer, möglichst gemischten, Welpenspielstunde ist Pflicht, da wir großen Wert auf gut sozialisierte Hunde legen. Davon mal abgesehen, dass die Beschäftigung mit einem solchen Zwerg ja auch sehr großen Spaß macht und man eine Menge lernt. Ferner verpflichtet sich der Käufer, der von uns einen Welpen anvertraut bekommt, diesen im passenden Alter bei einer Nachzuchtbeurteilung und zum Röntgen auf Hüftgelenksdysplasie vorzustellen. Wir möchten einfach vermeiden, evtl. Hunde mit gesundheitlichen Einschränkungen oder mit anderweitigen, evtl. zuchtausschließenden Fehlern zu züchten. Daher ist es für uns als Züchter und natürlich auch für den Zuchtverein wichtig, dass alle Welpen eines Wurfes einem kundigen Gremium vorgestellt werden, um evtl., was wir alle nicht hoffen, großen Schaden von der Rassehundezucht abzuwenden. Davon mal abgesehen, ist es auch für den Welpenkäufer interessant, die Geschwister wieder zu sehen, obwohl der eigene Hund natürlich bekanntermaßen der Schönste ist.
Im Gegenzug fühlen wir uns ein Hundeleben lang für unsere Zwerge verantwortlich. Das heißt nicht, dass wir permanent bei Ihnen zu Hause auftauchen oder Sie anderweitig „kontrollieren“. Auch schreiben wir keine Weihnachts- oder Geburtstagskarten, werden aber immer ein offenes Ohr für evtl. Probleme oder natürlich auch schöne Geschichten haben.
Unsere Freundin Gabi sagt immer, wenn man möchte, dann kauft man nicht nur einen Hund in der Grauzone, sondern man bekommt das komplette Rudel mit dazu.

19.11.-28.11.:
Die Zeit rennt und die Zwerge auch, mittlerweile im atemberaubenden Tempo durch den Garten. Mama Edmeé ist bei den Ausflügen nicht mehr sicher vor ihnen, auch wenn sie sich weiter entfernt. Sie wird eingeholt und umzingelt. Ebenso wenig gelingt es mir noch, mich morgens leise mit dem Futter in den Garten zu schleichen. Da die lieben Kleinen nun mittlerweile draußen nächtigen, denn die beheizte Hütte ist ihnen zu warm, bemerkt mich sofort eines der pelzigen „Ungeheuer“. Es ertönt ein lautes „Waff“ und schon bin ich eingekesselt. Das ist besonders lustig, wenn sie es in dem Moment schaffen, an dem man gerade ein Bein in der Luft hat. Natürlich geben sie einem keine Gelegenheit, den Fuß innerhalb eines angemessenen Zeitraum sicher auf dem Boden abzustellen. Also ich bin froh, dass das noch kein Mensch fotografiert hat. Wenn es einem endlich gelungen ist, die Näpfe in die Menge zu „werfen“, kann man sich jedoch nicht einfach davonstehlen, um z. B. schon mal Häufchen einzusammeln (sie produzieren unglaubliche Mengen davon). Alle wollen beschmust werden und besonders Menowin liebt mich heiß und innig. Erst wenn alle acht Pelzgesichter gebührend begrüßt wurden, kann ich im Welpenhaus usw. nach dem rechten sehen. Diese Zwerge sind tatsächlich so gut wie stubenrein. Außer mal einen See findet man in der Hütte und auf der Terrasse keine Hinterlassenschaften mehr.
Auch sonst sind sie völlig unkompliziert. Sie machen wenig Theater beim Auto fahren, nur muss das Radio an sein. Am erstaunlichsten war gestern jedoch der erste Ausflug an der Leine. Mit der Hilfe von Monika, Jürgen und Gabi, die sich jeder einen Zwerg schnappten, konnte ich als Möhre (oder Pansen, igitt) vorne weg laufen und meine pelzigen Kinder locken. Alle acht Welpen liefen so, als hätten sie nie etwas anderes im Leben gemacht. Neugierig, flott und fröhlich genossen sie die „neue“ Welt. Auch der Rückweg durch die düstere Garage war für diesen Wurf überhaupt kein Problem. Das hatten wir wirklich noch nie. Entweder will einer immer vorneweg und kann es gar nicht erwarten, bis es weiter geht oder der andere Zwerg tritt jämmerlich heulend in den Sitzstreik. Als Züchter steht man ähnlich elegant wie eine Vogelscheuche dazwischen und versucht den einen Wicht zu locken und den anderen zu bremsen.
Diese Zwerge sind wirklich etwas ganz besonderes und das meine ich wirklich so! Wenn die neuen Besitzer nicht alles verkehrt machen, dann haben sie da sehr selbstbewusste Hundepersönlichkeiten an der Leine. Wir können natürlich als Züchter nur den Grundstock hierfür liefern. Ab der neunten Lebenswoche liegt das Schicksal und die Entwicklung der Welpen in der Hand ihrer Menschen. Daher sage ich auch immer und das ist nicht böse gemeint, jeder bekommt den Hund, den er verdient.


Letzte Aktualisierung: 30.11.2018 Zurück  © 2018 Susanne Brey & Angus Pouch