Tagebuch N-Wurf aus der Grauzone
oder N, wie Neun

 

Vorbereitung
Liebe Fans unseres Welpentagebuches oder die, die es werden wollen.
Bis zum N-Wurf sollte es mal wieder etwas länger dauern. Anfang Januar 2019 sollte Feronia nochmals gedeckt werden, was aber leider nicht klappte. Im Frühjahr 2019 wurde Ifigenie problemlos gedeckt, blieb aber leider leer. Danach starteten wir einen letzten Versuch mit Feronia im Sommer, drei Tage lang fuhren wir für mehrere Versuche zum Rüden, auch dieser deckte unsere schöne Schwarze nicht.
Somit konzentrierten wir uns in 2019 auf den Hundesport und legten mit Edmeé und Kallisti erfolgreich die BH ab und Ifigenie hat ihre IGP1 bestanden. Da meine bunte Lady sich mit ihrer Läufigkeit Zeit ließ, beschlossen wir einen neuen Versuch mit Ifigenie zu starten.
Nach langem Suchen und warten auf Rückmeldung der Deckrüdenbesitzer, entschieden wir uns für Halik vom Haselrieder Wald, Cyrus genannt. Cyrus wohnt mit seinem Frauchen Marie-Louise in der Nähe von Augsburg. Marie-Louise hat dem Deckakt unter der Bedingung zugestimmt, dass dieser außerhalb von Weihnachten und der Adventszeit stattfinden sollte. Sie ist Sängerin und dementsprechend während dieser Zeit beruflich sehr eingespannt. Nun hieß es bangen, dass Ifigenie, die ja eigentlich viel zu spät mit ihrer Läufigkeit dran war, nicht zu „früh“ läufig würde. Sie hat sich aber brav zurück gehalten, so dass wir am 28.12.2019 zu Cyrus fahren konnten. Die beiden Hunde und auch deren Menschen waren sich sofort sympathisch, wobei letzteres nicht zu Welpen führt. Innerhalb einer viertel Stunde hat Cyrus Ifigenie im Sturm erobert. Somit purzelte schon mal der erste Stein von Züchters Herzen.
Marie-Louise, ihre Mutter und wir gingen abends zusammen essen und unterhielten uns angeregt über Gott und die Welt. Wir verabredeten uns für den Folgetag nochmal zu einem Date.
Die Nacht im Hotel mit Angus in einem Bett, der schwer erkältet war und mit seinem Schnarchen die Bären und schließlich auch mich aus dem Bett vertrieb, war entsprechend nicht wirklich erholsam. Nach einem guten Frühstück besuchten wir Cyrus erneut.
Wie auch bei den letzten Malen war Ifigenie nach wie vor freundlich, ließ sich aber nicht noch einmal decken. Wir verabschiedeten uns und dankten für die herzliche Aufnahme.
Die Rückfahrt verlief Problemlos, bis 50km vor unserem Hundeplatz, wo wir Elsa und Kallisti wieder einsammeln wollten, die wir bei Freunden „geparkt“ hatten.
Die Batteriekontrollleuchte ging an und nicht mehr aus. Wir ließen den Bus am Hundeplatz stehen, um am nächsten Tag den ADAC zu rufen. Die Diagnose lautete Lichtmaschine defekt.
Durch die günstige Lage der Feiertage, hieß das für uns, dass unsere Werkstatt erst am 6. Januar wieder öffnen würde. Doch Corinna, die Minerva aus dem letzten Wurf bekommen hat, wusste Rat. Ihre Werkstatt hatte geöffnet und versprach uns, den Bus am selben Tag noch zu reparieren.
Nun hieß es, wie immer, warten. Den Jahreswechsel feierten wir, nicht, wie sonst zu Hause.
Schnell wurde die Freude auf den Wurf getrübt, denn schon am 3.1. traf uns die erste traurige Nachricht des Jahres. Unser langjähriger Freund, Sportskamerad und Kassenwart unseres Hovawartsportvereins verstarb in dieser Nacht für alle völlig unerwartet. Wir sind tieftraurig, er war ein Mensch, der eine Lücke hinterlässt, die sich niemals mehr schließt.
Ifigenie war die ganze Zeit fröhlich und gut gelaunt. Am 24. Tag nach dem Date mit Cyrus machte ich die Ultraschalluntersuchung und sah mehrere Fruchtkammern.
Natürlich freuten wir uns, dass die N`s unterwegs in diese Welt waren. Bald konnte Ifigenie ihren Zustand nicht mehr verbergen und die Taille ging allmählich flöten. Dennoch ließ sie es sich nicht nehmen, unserem Schutzdiensthelfer Ralf hin und wieder den Ärmel abzujagen.
Dann kam das nächste traurige Ereignis. Nachdem wir uns im Oktober für immer von Aura Nigra verabschieden mussten, folgte ihr unsere schöne, große Blondine Enigma am 14.2. über die Regenbogenbrücke. Plötzlich sind es „nur“ noch 6. Jetzt hoffte ich auf einen kleinen Wurf, mit maximal acht Welpen. Ansonsten würde es eng werden mit einem weiteren Wurf mit Ifigenie. Sollte der Wurf größer werden, so sollte wenigstens eine Blondine für mich dabei sein. Ifigenie wurde immer runder und sah zum Ende der Trächtigkeit aus, als hätte sie einen Medizinball verschluckt. Die Hoffnung auf einen kleinen Wurf konnte ich wohl begraben und wie sich zeigen würde, die Hoffnung auf eine Blondine auch.
Ifigenie fraß mit großem Appetit, nur spazieren gehen war nicht mehr so ihr Ding. Sie hätte die letzten zwei Wochen wohl lieber auf der Couch mit einer Schachtel Pralinen, äh Leckerlis, verbracht. In der letzten Woche verweigerte sie ab und zu das Abendessen. Als sie am Morgen des 28.2. auch ihr Frühstück angewidert ansah, wusste ich, dass sie diesmal nicht länger tragen würde.

28.02.2020, die Geburt:
Ifigenie hechelte den ganzen Tag, ein Zeichen dafür, dass sie in den Eröffnungswehen lag. Gegen 16:30 Uhr bekam sie Presswehen. Um 17:32 Uhr wurde ein sm Rüde mit 560 g geboren. Ihm folgte um 18:25 Uhr eine sm Hündin, mit ebenfalls 560 g. Ihr folgte um 18:52 Uhr eine Hündin, ebenfalls sm, mit 570 g und einem weißen Brustabzeichen.
Schon 18 Minuten später bekam der Junge Verstärkung. Ein sm Rüde mit 510 g gesellte sich dazu. Er hat hinten rechts weiße Zehen. Unsere Hovawartfreunde fieberten via WhatsApp mit und meinten, dass sei spannender, als jedes Abendprogramm. Sie fingen in Sportreporter­manier an das Ganze zu kommentieren. Um 19:54 Uhr lagen die Jungs vorne. Ein Rüde, wieder sm, wurde mit 550 g ausgeliefert. Nur 16 Minuten später stand es dann 4:2 für die Jungs. Wieder sm, wurde dieser Rüde mit 500 g geboren. Er hat ein weißes Brustabzeichen. Eine sm Hündin, 480 g schwer, holte zum 4:3 auf. Um 22:04 Uhr hieß es dann Gleichstand. Diese sm Hündin hat sich sowohl ein weißes Brustabzeichen als auch hinten weiße Zehen geleistet und brachte 530 g auf die Waage. Da Ifigenie sich schlafen legte und auch sehr entspannt wirkte, reinigten wir die Wurfkiste und betteten die Hundefamilie in saubere Decken und Laken. Alles schien perfekt, acht propere Welpen, leider kein Blond und das, obwohl beide Eltern eine Blondanlage haben. Aber egal, Hauptsache gesund. Ich brauche mir auch nichts behalten, denn Madame kann noch einen Wurf bekommen.
Hovawarte sind, wie wir wissen, immer für eine Überraschung gut, so auch Ifigenie. Da bekam das Mädel nochmal Wehen und gebar um 24 Uhr eine ……. blonde Hündin mit 560 g.
Leider ist klar, dass ich die perfekte, kleine, blonde Lady nicht behalten darf, weil sie schon seit langer Zeit versprochen ist.

29.02.-01.03.:
Das Team Mama, Welpen und Züchter spielen sich langsam ein. Bis jetzt läuft alles prima und wir sind gespannt auf die nächste Zeit.
Heute haben unsere Schätze Namen und Halsbänder bekommen:


Die Persönlichkeiten unseres N-Wurfes

Nadim   Rüde, sm   arabisch Freund, Vertrauter
Nepos ex Aura Nigra   Rüde, sm   lateinisch Enkel der Aura Nigra
Nikam   Rüde, sm   indianisch Freund
Nikas   Rüde, sm   griechisch griech., Kurzform von Nikolaus, Schutzpatron und Wundertäter
Navida   Hündin, sm   hebreisch Edel
Navitas   Hündin, sm   lateinisch Emsigkeit, Eifer
Nemea   Hündin, sm   griechisch Nymphe der griech. Mythologie, Tochter des Zeus
Nia   Hündin, sm   keltisch die Fröhliche
Nuri   Hündin, bl   hebreisch Feuer

02.03.-08.03.:
Die Zeit rennt. Eben, so gefühlt sitzt man noch an der Wurfkiste und überwacht die Geburt und schwups, schon sind die Zwerge 9 Tage alt.
Im Moment läuft alles nach Plan. Mama Ifigenie säugt und putzt und putzt und säugt.
Anfangs war es für Frau Züchterin etwas anstrengend, denn Madame rief im 3/4 Stunden Rhythmus ihre Babys, die sie nur leider noch nicht hören können. Also hieß es in diesem Rhythmus aufstehen, ihr die Babys vorlegen und dann versuchen, ganz schnell wieder einzuschlafen. Jetzt haben wir uns geeinigt, dass sie ihre Babys nicht mehr rufen braucht, sondern sich, sobald die Zeit ran ist, zu ihnen legt und für Ordnung und Nahrung sorgt.
Mir obliegt die Aufgabe, die Wurfkiste sauber zu halten, Wäsche zu waschen und das Muttertier mit Futter zu versorgen. Hierbei ist Madame im Moment äußerst wählerisch. Trockenfutter, welches sie sonst mit Begeisterung frisst, wird komplett verschmäht und versucht unter dem Fliesenboden zu vergraben. Dabei verschüttet man noch das Trinkwasser dazu und drapiert ein Handtuch darüber…. Diese Mischung klebt wie Kleister auf dem Fliesenboden. Gleiches versuchte sie auch mit der angebotenen Welpenmilch, sehr lecker !
Dosenfutter findet Madames Gnade und Frauchen darf auch etwas Trockenfutter darunter schummeln.
Zur besseren Unterscheidung für die Homepage-Junkies haben die Zwerge folgende Halsbänder um.
Nadim findet orange sehr schick, denn das passt so gut zu seinen Marken. Nepos ex Aura Nigra liebt dunkelblau, er ist ja schließlich ein echter Junge. Sein Bruder Nikas bevorzugt ebenfalls blau, allerdings in heller Variante. Nikam schmückt sich hingegen mit einem weißen Band.
Die Mädels lieben es etwas leuchtender, bis auf Nemea, die einen dezenten Grünton gewählt hat. Navida trägt leuchtend Rot, während Navitas rosa und Nia lila bevorzugen. Nuri trägt, nur aus Solidarität, einen gelben Halsschmuck.

09.03.-14.03.:
Die Welpen haben den Meerschweinchenstatus verlassen und sehen plötzlich aus wie kleine Hunde. Waren sie noch vor einer Woche nur kriechend unterwegs, so können sie jetzt so etwas ähnliches wie Laufen. Auch Harn und andere Dinge können sie mittlerweile ohne Mamas helfende Zunge selbstständig absetzen. Das bedeutet natürlich mehr Putzarbeit für Züchterin und Mama und auch die Waschmaschine schiebt Sonderschichten.
Seit zwei Tagen haben die Zwerge die Augen geöffnet. Dennoch können sie noch nicht wirklich sehen. Die Ohren werden sich jetzt auch bald öffnen, so dass sie dann ihre Umwelt bewusst wahrnehmen. Dann beginnt die eigentlich spannende Zeit. Es werden Charakterunterschiede sichtbar werden und der Aktionsradius rasant zunehmen.
Seit gestern bin ich vom Rang der einfachen Putzfrau und Wäscherin zur Milchfläschchenreicherin aufgestiegen. Die Pelztiere wollen jetzt täglich zugefüttert werden. Noch geht das halbwegs manierlich mit der Flasche, bald jedoch. wird die zusätzliche warme Mahlzeit im Näpfchen serviert. Dann wird sich zeigen, wie es mit den Tischmanieren der süßen Kleinen bestellt ist…

15.03.-18.03.:
Wieder sind ein paar Tage vergangen und es hat sich viel getan. Augen und Ohren sind jetzt geöffnet und so entdeckt kleiner Hund plötzlich, dass er nicht alleine in dieser Welt ist. Leider bekommen die lieben Kleinen jetzt auch Zähne. Das hat zur Folge, dass Ifigenie nicht mehr ganz so begeistert von ihrem Nachwuchs ist.
Seit die Zwerge jedoch mit einer klebrigen Kost aus Welpenmilch und Haferflocken aus dem Welpenring zugefüttert werden, findet Ifigenie sie wieder einigermaßen lecker. Sie liegen nämlich, statt sich guter Tischmanieren zu bedienen, kreuz und quer in der Milchsuppe und genießen diese in vollen Zügen. Mama und Geschwister versuchen hinterher die klebrigen Überreste aus dem Pelz zu putzen. Der Rest trocknet zu einer betonartigen Masse an. Jeder Punk würde mit dieser Mischung den perfekten Irokesenkamm stehen lassen können.
Mama darf sich natürlich auch über die Reste im Welpenring, auf den untergelegten Laken, dem Fußboden etc. hermachen. Den Rest erledigen Schrubber und Waschmaschine.
Heute war dann der Zustand erreicht, der da hieß, ab in die Wanne, äh Stopp, ins Waschbecken. Hierbei zeigen sich schon minimale Unterschiede in der Toleranz, Dinge zu ertragen, die man im Moment nicht ändern kann. Einige finden die warme Dusche sehr angenehm, Hovi-Milch-Wellness-Bad und entspannen total, während andere diese Prozedur nur unter Protest über sich ergehen lassen. Aber ein Versöhnungsschluck, nach dem Trockenrubbeln, bei Mama lässt kleine Hoviseele befriedigt zurück. Danach wird geschlafen und das Erlebte im Traum verarbeitet.

Gastbeitrag:
Seit vielen Jahren darf ich aktiv das Zuchtgeschehen in der Grauzone begleiten. Alles begann mal ganz harmlos, als ich einfach nur einen Hovawart bei Suse und Angus kaufen wollte. Den Anschluss an das Rudel habe ich dann mit dazu bekommen.
Zum ersten Mal in 20 Jahren kann ich mich nicht an der Aufzucht der Zwerge beteiligen. Normalerweise bin ich schon bei den Wurfvorbereitungen mit einbezogen. Böse Zungen behaupten auch, während der Würfe und auch sonst, oft gehöre ich zum Inventar der Grauzone. Zu meinen liebsten Disziplinen gehört es übrigens, im strömenden Regen Zäune zu ziehen oder den Garten nach Unfallgefahren abzusuchen. Es ist ein großer Garten, ein sehr großer Garten. Und mein Rücken wird definitiv älter.
Jedenfalls bin ich auch oft dabei, wenn die Babys kommen. Helfende Hände, die das gleiche Keimspektrum haben, werden immer gebraucht.
In diesem Jahr ist leider alles anders. Kurz vor dem errechneten Geburtstermin streckte mich eine heftige Erkältung nieder. Im häuslichen Umfeld hatte ich meine Bakterien schon freigebig verteilt. So konnte ich weder zu den Zwergen, noch zu den Züchterfreunden persönlichen Kontakt haben. Besonders bedauerlich, da meine Hündin Imani damit erneut Tante eines Wurfes wird.
Natürlich fieberte ich aus der Ferne mit und nervte mein Grauzone-Rudel durch dauernde Anrufe und Bitten nach kleinen Filmen mit Welpen-TV. Für mich ist es immer wieder ein Wunder, an der Wurfkiste zu sitzen und die kleinen Hunde zu beobachten. Es tut gut, die Freude daran mit den besten Freunden zu teilen.
Endlich hatte ich diese hartnäckige Erkältung überwunden, als uns das Corona-Virus zu einer weiteren Auszeit von Freunden und Hunden zwingt. Für uns alle sehr schwierig ist es, dass wir alle auf Abstand gehen müssen. Die Babys, die ich sonst immer schon versorgt habe und bestens kenne, konnte ich noch nicht sehen. Die Abendessen und der Austausch mit den Freunden fallen aus. Die Gesundheit aller geht natürlich vor! Ich bin froh, dass die digitalen Möglichkeiten uns einen regen Austausch ermöglichen und ich so an der Entwicklung der Pelz-Perlen aus der Ferne teilhaben kann.
So wird es diesmal wohl noch etwas dauern, bis ich die Zwerge in der Realität sehen kann. Die Versorgung Berlins mit strukturellen Grundbedürfnissen durch uns geht vor.
Deshalb bin ich sehr froh, dass die Züchter meiner Wahl Geduld mit mir haben und mich an der Entwicklung des Wurfes eben auf anderen Wegen teilhaben lassen.
Der geneigte Leser wird merken, wie schwer mir die Freundes- und Welpen-Abstinenz fällt.
Aber wenn wir alle Abstand halten, dann ist diese Situation hoffentlich bald ausgestanden!

Hovawart-Zwinger Von der Gütigen Göttin (mit den drei Hovawart- Göttinnen)
Gabriele Grein

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Letzte Aktualisierung: 22.03.2020 Zurück  © 2020 Susanne Brey & Angus Pouch